Hochmoorschutz – Hochmoorregeneration

Hochmoorschutz – Hochmoorregeneration

Mit der konsequenten Entwässerungspolitik der letzten 200 Jahre wurde auch der Lebensraum Hochmoor bis auf kleine Reste vernichtet: Land für die Ernährung des Volkes zu schaffen war die Devise, Sümpfe und Gewässer galten als Unland, ja als lebensgefährliche Räume, die es umzugestalten galt.

Den Wert der Moore für den Wasserhaushalt erkannte man ebenso wenig wie seinen Einfluss auf das Klima.

Sie wurden entwässert und großenteils abgetorft und sind oft nur am Orts- und Straßennamen als ehemalige Hochmoorstandorte zu erkennen.

Obwohl wir inzwischen den Wert der Moore als wichtige Klima- und Wasserregulatoren erkannt haben, setzen wir einen konsequenten Einsatz zwecks Wiederherstellung dieser Funktionen nicht um. Siedlungsstrukturen und der Vorrang landwirtschaftlicher Produktion stehen immer noch als Hindernis an. Andererseits beschweren wir uns über die Vernichtung eines anderen wichtigen Klimaregulatoren, dem tropischen Regenwald, der zudem noch mit einer unvergleichlichen Artenvielfalt und der Heimstatt indigener Völker punktet.

Dieses passt nicht.

Zerstörung wertvoller Lebensräume findet tagtäglich trotz scheinbar strenger Gesetze statt. Mit zunehmender Tendenz.

Es werden Baugebiete ausgewiesen und Nutzungen intensiviert, immer weniger Schutz genießen auch hochgradig gefährdete Organismen in der Landschaft. Selbst in den Naturschutzgebieten finden die Arten keine Ruhe und Entwicklungsmöglichkeiten.

Dem Torfabbau wird seitens der Naturschutzorganisationen die Schuld für den Zustand der Moore zugeschoben, ihnen eine zerstörende Tätigkeit mit der Entnahme des entwässerten Torfes unterstellt.

Die Zerstörung der Hochmoore fand durch die Tätigkeit vergangener Generationen durch Entwässerung, Torfabbau und Kultivierung statt. Hierdurch wurde gerade der torfbildende und damit CO2 -speichernden und wasserhaltenden Eigenschaft ein Ende bereitet.

Artenreiches Grünland auf Hochmoortorf erfüllt wohl die Qualität einer Artenvielfalt, nicht aber den Erhalt eines Lebensraumes für Hochmoorspezialisten.

Die Gefahr der weiteren Zerstörung der Hochmoore oder der Verhinderung der Regeneration dieses Lebensraumes ist lange nicht vorbei. Gerade aus Gründen einer nachhaltigen Wirtschaft bezüglich Energie und nachwachsender Rohstoffe entstanden neue Begehrlichkeiten für diese ehemaligen Hochmoorbereiche. Es ist die Paludikultur, die mit unterschiedlichen nässeertragenden Kulturen Landansprüche stellt, wie auch regenerative Energie, die mit Sonnenkollektoren in der Fläche diesen immer noch als wertlos gehaltenen Lebensraum eingreifen will. Hochmoore sind, genau wie tropische Regenwälder, Korallenriffe und Mangroven Biotope, die höchstens als Sammlerflächen nicht aber als aberntenbare Kulturflächen mit Bodenbearbeitung für Kulturpflanzen behandelt werden dürfen.

Die Schutzqualität „Wildnis“ trifft den Anspruch, den diese Lebensräume haben: Gebiete, in denen die Natur auch bis in die evolutionäre Phase und eingriffsfreie Entwicklung sich entfalten kann.

Für Hochmoore im norddeutschen Raum und der Alpenregion gilt es, großflächig zu arbeiten und etwa die Ausdehnung der ursprünglichen Hochmoore anzustreben. Und hier geht es nicht um Hunderte von Hektaren, sondern um hunderte von Quadratkilometern (Kehdinger Elbniederungsmoor war mal über 120 km2 groß, von Stade bis Bentwisch). Mit zunehmender, überbordender Bevölkerungsdichte des Menschen wird es immer wichtiger, großflächig auch Räume zu erhalten, die für die Regeneration von Wasser und Luft und das Genieren entsprechender direkt nutzbarer Qualitäten dieser Güter sorgt. Dies ist, neben der Ernährungslage, ein wichtiger Grundpfeiler für ein Leben in Frieden und Freiheit der Menschen.

Alle Ambitionen der Industrie, die natürlichen Produktionsprozesse durch technische Verfahren zu ersetzen, bedeuten eine weitere Ausbeutung und eine Schwächung der natürlichen Ressourcen, sowie der Zunahme von Armut und Krankheit mit den damit verbundenen gesellschaftlichen Problemen.

Auch Geoingeneering als Großeingriff in die Atmosphäre und die Hydrosphäre, sowie Intensivkulturen im marinen Bereich haben Auswirkungen, die großflächig und schlecht in ihren Auswirkungen eingrenzbar sind, ähnlich wie ein Vulkanausbruch, der über die ganze Erdoberfläche wirken kann.

Torfmoose sind die wichtigsten CO2-bindenden Organismen, Kieselalgen die dominanten Sauerstoffproduzierenden Organismen. Diese Erkenntnis berechtigt, diesen Organismen entsprechenden Raum zu geben und dort ihren Lebensbedingungen Rechnung zu tragen. Dies geschieht keinesfalls ausreichend und nur halbherzig. Verantwortung kann hierfür nur derjenige tragen und danach handeln, der auch das entsprechende Wissen besitzt. Und hier fehlt es auf der ganzen Bildungslinie von der Schule, dem Elternhaus über den Job in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft hin zu Gesetzesausübung.

Daher gehen gerade in der Schaffung von Infrastruktur und Siedlungen so viele Entscheidungen schlicht und einfach daneben, mit entsprechenden Folgen für die natürliche Umwelt und das gesellschaftliche Zusammenleben.

In unserer Norddeutschen Landschaft trifft es den Lebensraum Hochmoor besonders hart.

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